Rugia Hoe Festival 2016

01 September 2016
Thomas Scholz
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Rugia Hoe Festival

vom 01. – 04.September 2016

Das Rugia Hoe Festival ist Nachfolger der „Baltic Outrigger Challenge“ – der legendären Weltrekordfahrt im September 2014. Damals fuhren zwei Teams von Rönne Bornholm nach Sellin auf Rügen. Es ging 104 km quer über die Ostsee in 9 Stunden und 4 Minuten. Weltrekord! Das Ereignis konnten rund 2,5 Millionen Zuschauer bei der Sportreportage im ZDF sehen.
In diesem Jahr sollte sich erneut für Weltmeister, Olympiasieger und stark motivierte Freizeitsportler der Traum vom Surfen auf der Ostsee verwirklichen.

Heimat der Auslegerkanus ist die Südsee. Schon vor 2000 Jahren überquerten die Inselbewohner den Ozean und legten weite Strecken in ihnen zurück. Früher Fischerboote und Transportmittel – heute High End Sportgeräte. Die Rennen vor Tahiti und Hawaii sind legendär und haben dort einen Stellenwert wie hier die Fußballbundesliga.

Am Freitag, den 2. September, trafen sich acht Teams aus Neubrandenburg, Berlin, Potsdam, Sachsen, Nordrheinwestfallen, Schleswig Holstein und Teilnehmern aus der Schweiz, um dieses Unterfangen in Angriff zu nehmen. Natürlich waren auch die Borussen aus Berlin mit dabei. Wir starteten als Mix Team und hatten uns noch drei Sportler vom 1.Outrigger Canoe Club mit ins Boot geholt. Nach zahlreichen Trainingsterminen auf dem Hausgewässer, dem Tegeler See und der Havel, ging es am Donnerstag, den 1. September hoch an die Ostsee, Richtung Rügen. Im Schlepptau hatten wir den OC6 vom Kanu Club Borussia. Maximal 12 Sportler durften pro Team gemeldet werden. Nachdem wir zu Hause den Borussen die Möglichkeit gegeben hatten, sich zu qualifizieren, setzte sich unser Team zusammen aus Beatrice, Patricia, Guido, Robert, Roman, Martin, Achim, Torsten, Birgit vom HKC und Daniel, Marc und Klaus vom 1.OCC e.V.

Am Donnerstagabend wurde in Sellin das Boot zusammengebaut und von vier Mann zum Startpunkt, der Seebrücke von Sellin, gefahren. Da konnten wir das erste Mal Seeluft schnuppern. Der andere Teil der Mannschaft bezog schon mal Quartier. Abends gab es am Strand von Sellin das erste Zusammentreffen aller 8 Mannschaften. Dort fand die Team Kapitän Besprechung statt und wir bekamen Instruktionen zum Streckenverlauf, dem Verhalten auf der Ostsee  und unsere Teamwesten wurden ausgehändigt. Zur Feier des Tages und zur kulinarischen Vorbereitung auf den nächsten Tag gab Salat und Nudeln.

Samstag früh um 06.15 Uhr klingelte der Wecker, die Mädels bereiteten uns ein zauberhaftes Frühstück, danach ging es zur Seebrücke. Um 9.00 Uhr war der erste Start über 28 km nach Thiessow, vorbei an Baabe und Göhren und wieder zurück. Unser Mannschaftsbetreuer und einziger mitgereister Fan, Thomas Blasche, übernahm den Shuttle Service. Es war schon ein aufregender Moment, als alle 8 Boote an der Seebrücke lagen und ein lauter Hub Ton als Startzeichen aus dem Megafon erklang. Martin steuerte die erste Etappe, mit im Boot waren Patricia, Robert, Achim, Roman und Klaus ( Kampi ).  Nach 2:39 h waren wir im Ziel. Es war anstrengend aber sehr schön und hat allen mega Spaß gemacht. Unsere unmittelbaren Konkurrenten aus Berlin, die Wann Sea Dragons, waren fast 5 Minuten vor uns im Ziel.
Gegen 13:00 Uhr ging es auf die 2 Etappe, 22 km. Diesmal übernahm Torsten das Steuer. Mit an Bord waren Birgit, Bea, Guido, Daniel und Marc. Es ging in die andere Richtung, nach Prora und zurück. Nach 1:47 h kamen sie ins Ziel und hatten damit vor unseren unmittelbaren Verfolgern 7 Sekunden Vorsprung rausgefahren. Die Wann Sea Dragons aus Berlin sahen das aber noch gelassen, es sollte ja noch einen zweiten Renntag geben, und schließlich zählte das Gesamtergebnis.
Danach ging es erstmal in die Unterkünfte, zum frisch machen und anschließend wieder an die Seebrücke zu Musik und Essen. Der Veranstalter tischte ordentlich auf. Respekt!

Nachdem am Samstagmorgen alle Wunden geleckt waren, das Frühstück wieder sehr liebevoll zubereitet wurde und die Stimmung im Team super war, ging es wieder an die Seebrücke. Heute ging es über 3x mal 20 km. Wir starteten in Richtung Saßnitz, von da aus weiter Richtung Lohme, zurück nach Saßnitz und Sellin. In Saßnitz fanden die Wasserwechsel der Teams statt. Die erste Etappe fuhr Guido, Robert, Marc, Daniel, Birgit und Martin steuerte. Der Rest des Teams fuhr mit dem Auto nach Saßnitz, um sich dort für den bevorstehenden Wechsel vor zu bereiten. Natürlich erst nach dem Start, wir mussten ja unsere Jungs und das eine Mädel erst einmal auf die Reise schicken.
Unsere Verfolger hatten auch „umgebaut“ und setzten wohl ihre Chancen auf ein anderes Pferd. Aber davon später mehr. Nach dem Start setzten wir uns in den Bus von Torsten und fuhren nach Saßnitz. Es gab zwar vom Veranstalter einen Shuttle Bus, wir wollten aber nach dem Wechsel unserem Team einen angenehmen Aufenthalt in Saßnitz bieten und konnten so auch noch das ein oder andere Wechselstück mehr mitnehmen. Wir brauchten in Saßnitz gar nicht lange zu warten, bis das erste Boot an der Wechselstelle erschien. Die nächsten Teams reihten sich zügig ein, bis dann der Borussen Express zu sehen war; Platz vier noch vor den Wann Sea Dragons! Jetzt musste alles flott gehen, denn es galt den rausgefahrenen Vorsprung zu halten, ausbauen war nicht erforderlich, aber nicht verlieren war das Ziel. Schnell gewechselt und schon ging es mit Torsten am Steuer, Patti, Kampi, Achim, Roman und Bea weiter. Die Postenboote lagen auf hoher See, diese galt es zu umfahren. Ganz wichtig war, nicht zu dicht an der Küste und den Kreidefelsen vorbeizufahren. Naturschutz wird hier groß geschrieben. Der Mindestabstand von der Küste betrug 500 Meter. Darauf wurde auch sehr genau geachtet, die zuständigen Behörden waren auf Ihren Booten deutlich präsent. Auch der Fährverkehr machte kein Geheimnis daraus, dass er unterwegs war und Vorfahrt hatte. Ordentliche Wellen gab es dort draußen auf der Ostsee, und die Spritzdecke machte Sinn. Wichtig war vor allem, dass sie gut verschlossen war. Andere Boote waren schon am Schöpfen, anstatt zu paddeln. Kurz vor dem Wendeboot geschah nun das, was es zu verhindern gelten sollte, die Wann Sea Dragons saßen uns nicht mehr im Nacken sondern überholten uns. Unser Plan ging nicht auf. Torsten, der „alte“ Seebär, probierte zwar, uns nach der Wende und mit taktischer Raffinesse wieder an den Vordermann ran zu bringen, aber unsere Mittel waren nur eingeschränkt und nicht von Erfolg gekrönt. Jetzt aber so schnell es ging zur Wechselzone, kleine Planänderung und das Boot neu bestückt. Torsten blieb sitzen, ins Boot kamen jetzt Guido, Martin, Robert, Eschel und Daniel. Manpower war angesagt und eine gnadenlose Verfolgungsfahrt begann. Für uns galt es sich abzutrocknen, ab ins Auto und auf nach Sellin zur Seebrücke. Wir mussten ja auch noch einen Parkplatz suchen und zum Strand laufen, wir wollten unsere Jungs begrüßen und ihnen einen gebührenden Empfang bereiten. Am Strand angekommen, lagen schon die ersten drei Boote am Strand, ok wer aber kam als viertes Boot??? Am Horizont war selbst mit Fernglas noch nichts zu erkennen. Plötzlich war der anwesende Radiomoderator der Meinung, ein Boot zu sehen. Ich glaubte meinen Augen kaum, machte uns doch die gelbe Armer unseres OC6 zu glücklichen Menschen. Offensichtlich hatten unsere Jungs das Blatt wieder gewendet und unsere Rechnung aufgehen lassen. Tatsache, so war es. Unser Boot kam immer näher, und zum Schluss legte die ganze Mannschaft, Hand in Hand, noch einen Schlussspurt ins Ziel ein. Denn am Strand war erst nach einem ca. 20 Meter Endspurt an Land das Ziel erreicht. Emotion pur. Alle lagen sich in den Armen und freuten sich.
Und das Beste zum Schluss: egal wie die Gesamtwertung aussieht, wir sind auf jeden Fall Berliner Stadtmeister, denn die Wann Sea Dragons kamen vier Minuten später ins Ziel! Die Jungs haben hart gekämpft. Danke, denn sowas macht doch so ein Event noch einmal viel schöner. Sozusagen das Sahnehäubchen auf der Obsttorte. Nach insgesamt 9:43 h hatten sich die Borussen 110 km über die Ostsee gekämpft und es war einmalig. Wir waren dabei, bei der ersten Rugia Hoe auf der Ostsee und sind als viertes Team von acht Mannschaften ins Ziel gekommen. Danke an alle, die es uns ermöglicht haben. Angefangen beim Veranstalter, dem Orga Team, der anderen Mannschaften und vor allem Birgit, Daniel, Eschel und Kampi, die unser Boot aufgefüllt haben. Natürlich geht der Dank auch an Bea, Patti, Torsten, Martin, Roman, Robert und an Guido, ohne Euch wäre es ja gar nicht dazu gekommen.

Wie habe ich im Bericht vom Orga Team gelesen? Sie bekommen bis heut Ihr Lächeln nicht aus dem Gesicht.

Wir 12 wissen warum!

Danke sagt Euer
Achim

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