21 km vor Rerik

22 Juni 2013
administrator
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„Entdecken Sie den Charme des alten Fischerdorfes an der Ostsee!“

Im Hafen landen die Fischer ihren Fang an, frischer können Sie keinen Fisch kaufen. Das Salzhaff ist mit seinem flachen und ruhigen Wasser eines der beliebtesten Surf- und Segelgebiete an der Ostsee.“ So ein Auszug aus dem Reiseangebot, wenn man sich nach dem Örtchen Rerik erkundigt. Aber offensichtlich scheint hier was nicht zu stimmen, wo war dieses so nett beschriebene besinnliche Örtchen? Es kam wieder einmal alles anders.

Am Samstag, den 22 Juni machten wir uns auf den Weg nach Rerik. Wir waren Torsten Jung, Jan, Andreas Eppert und Joachim Nölke. Torsten war mit dem Auto unterwegs, in dem auch das Bootsmaterial,2 Outrigger, verstaut war. Er machte noch an der Müritz halt, um seinen Freund und Schweden-Gefährten, Jan einzusammeln. Andreas und ich machten uns mit dem Motorrad auf die Socken, im Gepäck unsere Paddelsachen, Wechselwäsche und einen großen Sack freudiger Erwartung. Nach gut 3 Stunden Fahrt über die Landstraße waren wir am Ziel. Ein laues Lüftchen wehte uns um die Nase und meine Ungeduld mal einen Blick aufs Meer zu werfen, war nicht mehr zu bändigen. Also Motorrad abgestellt und einen Blick über die Düne Richtung Meer geworfen. Wo war denn da dieses ach so flache und ruhige Wasser, was im Katalog beschrieben war, was für bunte Tonnen sah man ab und zu über die Wellen schaukeln? Der Gedanke daran, dort mit einem Outrigger zu starten, zauberte mir nicht gerade ein Lächeln ins Gesicht. Aber gut, es gab ja noch das Salzhaff. Erst einmal ins Regattabüro, um uns anzumelden. Dort kam uns auch schon der Schlauberger entgegen. „Nah Jungs, habt Ihr etwa ein Schlauchboot im Gepäck, oder womit wollt Ihr Starten?“ Nach dem wir die erste verbale Schlacht auf unserer Haben Seite verbuchet haben, gab es die Startnummer und für jeden Teilnehmer ein T Shirt. Nun ab zum Parkplatz wo Torsten und Jan auf uns warteten und auch schon die Boote zusammen gebaut hatten.

Nach dem wir eine kleine nette Bäckerei aufgetan hatten, konnten wir dort ein gemütliches Frühstück zu uns nehmen. Danach ging es daran, unser Outfit zu ändern, wir machten uns seetauglich. Anschließend ging es zur Begrüßung durch den Veranstalter. Dieser freute sich über das zahlreiche Erscheinen und erläuterte kurz den Renn- und Streckenverlauf. Komisch, von ach so ruhigen Salzhaff war nicht mehr die Rede. Ah… dann ging das Lämpchen auf, die Regatta wurde direkt vom Strand aus gestartet, Dreieck Kurs vor der Küste war angesagt, damit das Publikum den ganzen Rennverlauf sehen konnte. Drei Runden von ca. 7 Km waren angesagt. Die oben erwähnten bunten Hüttchen waren 2 Meter hohe Bojen, die den Kurs absteckten. Tja was soll ich sagen: Vater mach Licht. Nun gut, Boot unter den Arm geklemmt und ab zum Strand. Neue Ufer warteten auf den eigentlichen Drachenbootfahrer. Dann war es soweit: Boote zu Wasser lassen und eine Hupe läutete den Start ein. Beim Motorsport nennt man das wohl einen Le-Mans-Start. Rauf aufs Boot und los. Und los ging bei uns gleich in die Hose, eine Welle erwischte unseren Ausleger, dieser kommt hoch, Andreas und Achim in voller Ausdehnung in die Ostsee. Prima. Also nochmal von vorne und das Feld von hinten aufgerollt. Wir waren aber nicht die einzigen, in naher Zukunft gab es noch andere Boote, die das gleiche Schicksal mit uns teilten. Gut die Hälfte des Rennens sind wir gegen die Strömung gefahren, für die andere Hälfte hatten wir die Strömung von hinten bzw. von links hinten. Zum ersten Mal in meinem kleinen Outriggerleben bin ich mit einem Boot bergauf gefahren und bergab seicht geglitten, von fallen möchte ich nicht sprechen. ☺

Aber als die erste Wende kam und wir den Wind von hinten hatten, wollte ich mich schon anschnallen denn nun musste ja ein wilder Ritt beginnen, theoretisch zumindest. Aber was war los, die anderen surften einen halben Meter über uns hinweg und wir saßen im Keller. Andreas saß hinten bis zum Bauchnabel im Wasser, und mir stand vorne das Wasser bis zu den Knien. Das Boot komplett unter Wasser nur der Ausleger links schaukelte über der Wasseroberfläche. Was uns, aufgrund der dauerhaften Gewichtsverlagerung zu einer Seite, Schmerzen in der selbigen Gesäßhälfte bereitete. Der Auftrieb des Bootskörpers war zu gering für die Ostsee und zwei so zarten Elfen wie wir. Bei uns vor der Haustür paddeln oder sich der Ostsee stellen waren schon zwei unterschiedliche Welten. Aber aufgeben stand bei uns nicht auf dem Programm, das stand für beide gemeinsam fest. Auch als uns das Rettungsboot sehr nahe kam und uns einlud an Bord zu kommen. Wir wollten da durch. Torsten und Jan hatten da offensichtlich die bessere Wahl getroffen, diese sahen wir ab und zu mal auf der Gegengeraden, wie sie im harmonischen Gleichklang die Wellen bezwangen. Nach der nächsten Wende ging es wieder gegen den Strom und damit für uns besser. Wir konnten Versäumtes aufholen. Und nach gut drei Stunden war auch für uns der Zielhafen in Sicht. Torsten war sichtlich erfreut uns wieder lebend zurück zu haben. Ich glaube, ein wenig Freude galt auch dem noch völlig intakten Bootsmaterial.

Nach dem dann alle Teams wohlbehalten das Ufer erreicht hatten, ging es daran, sich um zu ziehen und einen kleinen Happen in einem gemütlichen Hafenrestaurant zu sich zu nehmen. Die Stärkung hatten sich alle redlich verdient. Bis zur Siegerehrung hatten wir noch etwas Zeit und so gestaltete jeder die Zeit bis dorthin unterschiedlich. Andreas und ich legten uns auf die Wiese und ließen den Tag noch einmal Revue passieren. Das ein oder andere Mal konnten wir uns ein herzhaftes Gelächter nicht verkneifen, denn zu so einer Nummer gehört auch eine gehörige Portion Humor, anders hätte man das nicht durchgehalten. Aber eins stand fest: Rerik wir kommen wieder, und dann stimmt das Material. Sorge du nur für Wind, Sonne und Wellen den Rest machen wir dann schon irgendwie. Um 18.00 Uhr trafen sich alle Teilnehmer zur Siegerehrung und da bekamen wir dann den Lohn für unsere Mühe. Platz 1 Torsten Jung mit Jan und Platz 3 Andreas und Joachim im OC 2 Men. Supi

Nachdem wir dann den Champagner ablehnten, denn wir wollten ja wieder nach Hause, hatte der liebe Torsten noch einen kleinen Sahnebonbon. Auch zur Vorbereitung auf Schweden, hatte er uns schon für das nächste Wochenende, also am 30.06, zum Halbmarathon nach Zeuthen angemeldet. Diesmal war Bade-Boot angesagt. So haben wir vermutet. Doch mit dieser Vermutung lagen wir falsch, der Mercedes wurde aus dem Stall geholt. Ich sage nur „18 Jensen“ war das Zauberwort. Bade-Boot, nur mehr Auftrieb und bessere „ Straßenlage“. Wir waren sehr gespannt auf Zeuthen und unseren neuen Kumpel. Nun ab aufs Moped und nach Hause. Der anstrengende Tag zwang uns dann doch noch die eine oder andere Pause zu machen. Aber für uns stand fest das erlebte konnte auch die Müdigkeit nicht trüben. Wir schauen heut noch jeder mit 2 lachenden Augen auf dieses Erlebnis zurück.

Zeuthen wir kommen, zwei hoch motivierte Paddler wollen mit dem „18 Jensen“ mal schauen was noch so geht, in der Geschichte des Berliner Kanu-Club „ Borussia“ e.V.

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